Zauberkugel – ein Ort, an dem man einfach Mensch sein darf
Status: Entwurf
Wer auf der Straße lebt, verliert mehr als ein Dach über dem Kopf: oft auch den Zugang zu Hygiene, Wärme, Gespräch und Struktur. Die Zauberkugel soll ein kleiner, geschützter Raum in Wuppertal sein, der Würde und einen Moment der Normalität zurückgibt, ohne Bewertung und ohne Bedingung.
Worum geht es bei der Zauberkugel?
Die Zauberkugel ist ein Konzept für ein kleines Ladenlokal, zentral, aber nicht auf dem Präsentierteller, zum Beispiel in Bahnhofsnähe. Dort wird jeweils ein Mensch empfangen: ein Gast, kein Klient. Während seine Wäsche gewaschen und getrocknet wird, kann der Gast duschen, sich pflegen, eine warme Mahlzeit bekommen und mit einer Fachkraft sprechen, wenn er möchte.
Für wen ist die Zauberkugel gedacht?
Für obdachlose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen, die kaum Zugang zu Hygiene, Wäschepflege und Grundversorgung haben.
Ziele
Die Zauberkugel will Hygiene und Gesundheit verbessern, Würde wiederherstellen, einen stabilen Begegnungsort schaffen und eine niedrigschwellige Beratung anbieten. Ein weiterer Effekt: Nach einem Besuch fällt es Gästen leichter, Ämter und Beratungsstellen aufzusuchen.
Wie ein Besuch abläuft
- Ankunft und Einweisung (10 Minuten)
- Entkleiden und Waschmaschine starten (5 Minuten)
- Dusche und Körperpflege (20 Minuten)
- Abtrocknen und Bademantel (10 Minuten)
- Mahlzeit und Gesprächseinstieg (10 Minuten)
- Beratungsgespräch (60 Minuten), während die Wäsche trocknet
- Umziehen nach fertiger Wäsche (5 Minuten)
- Reinigung des Badebereichs (20 Minuten), danach beginnt der nächste Termin
Ein kompletter Termin dauert etwa 140 Minuten. Gäste erhalten außerdem kleine Versorgungspakete mit Hygieneartikeln.
Warum ein solcher Ort sinnvoll ist
Fehlende Hygiene führt zu Isolation, Krankheit und Scham, und Scham ist eine der größten Hürden, Hilfe anzunehmen. Wer sauber und gestärkt in ein Amt oder eine Beratungsstelle kommt, wird anders wahrgenommen. Die Zauberkugel soll deshalb ein stiller Wendepunkt im Alltag sein, der Türen in ein Hilfesystem öffnet, das vielen sonst verschlossen bleibt. Für andere Einrichtungen kann das eine Entlastung bedeuten, weil Gäste gepflegter und gestärkter ankommen.
Kapazität und Größe
Mit einer hauptamtlichen Fachkraft (Sozialarbeit oder Betreuung), unterstützt durch Reinigung oder Ehrenamt, lassen sich in einem Arbeitstag drei Gäste betreuen. Bei fünf Öffnungstagen sind das 15 Termine pro Woche. Kommen Gäste etwa alle zwei Wochen, können so rund 30 Menschen regelmäßig versorgt werden.
Diese Größe ergibt sich aus den Räumlichkeiten und der nötigen Privatsphäre, denn es wird immer nur ein Gast gleichzeitig betreut. Das Konzept ist skalierbar: Mit den Räumen und dem Personal kann auch die Zahl der Gäste wachsen.
Was für den Start gebraucht wird
- Ein Ladenlokal von etwa 35 bis 40 Quadratmetern in zentraler, aber diskreter Lage, mit Anschlüssen für Strom, Wasser, Lüftung und Starkstrom.
- Sanitärbereich: Dusche, Waschbecken, Spiegel und Ablagen.
- Waschtechnik: Industriewaschmaschine und Trockner. Die Industriewaschmaschine wird wegen der Dauer des Waschgangs gewählt, denn die Wäsche muss innerhalb des Zeitslots fertig werden.
- Büro: Schreibtisch, Computer und Drucker.
- Küche: Kühlschrank, Herd und Kaffeemaschine.
- Lager: Regale, Kisten und Spinde.
- Sicherheit: Feuerlöscher, Erste Hilfe und Rauchmelder.
- Eine Fachkraft in Vollzeit, Unterstützung bei der Reinigung und Ehrenamtliche.
- Ein Hygiene- und ein Datenschutzkonzept sowie eine Betriebshaftpflichtversicherung.
Offene Herausforderungen
- Was Gäste anziehen, solange ihre Kleidung gewaschen wird.
- Reinigung und Desinfektion nach jedem Gast, etwa 15 bis 20 Minuten.
- Infektionsschutz und Geruchsbelastung für das Personal.
- Der Umgang mit Alkohol- und Drogenkonsum.
- Sichere Aufbewahrung von Geld, Papieren und Taschen.
- Medizinische Versorgung gibt es vor Ort nicht, sie bleibt Aufgabe anderer Stellen.
Mögliche Erweiterungen
- Sichere Aufbewahrung von Kopien wichtiger Dokumente.
- Ausgabe einfacher Mobiltelefone.
- Streetwork: Eine zweite Person nutzt die Einrichtung als Basis und macht Menschen im öffentlichen Raum auf das Angebot aufmerksam.
Erste Kostenschätzung
Die folgenden Zahlen sind eine grobe erste Schätzung aus dem Projektkonzept und kein Finanzplan.
| Posten | Schätzung |
|---|---|
| Umbau und Einrichtung | 8.000 bis 12.000 € |
| Waschmaschine und Trockner | 4.000 bis 6.000 € |
| Küchenzeile | 2.000 bis 3.000 € |
| Möblierung und Büro | 2.500 bis 3.500 € |
| Startmaterialien | 1.000 bis 1.500 € |
| Reserve | 2.000 € |
| Posten | Schätzung pro Jahr |
|---|---|
| Miete (40 m² zu 35 €/m²) | 16.800 € |
| Energie und Wasser | 2.000 bis 3.000 € |
| Materialien | 3.000 bis 4.500 € |
| Personal | 35.000 bis 45.000 € |
| Verwaltung und Wartung | 3.000 bis 4.000 € |
Der jährliche Gesamtbedarf liegt damit bei etwa 65.000 bis 75.000 Euro. Zu den Materialkosten zählen Waschmittel, Hygieneartikel, Handtücher, Kaffee, Tee und Lebensmittel für einfache warme Mahlzeiten.
Aktueller Stand
Die Zauberkugel befindet sich im Entwurf. Ein ausführliches Projektkonzept mit Ablauf, Kapazität, Personalplan und Kostenschätzung liegt vor. Ein Standort, ein Träger und eine Finanzierung gibt es noch nicht.