Spectix – Live-Karte für Sportevents
Status: Entwurf
Bei einem Ultramarathon sieht man die Läuferin, auf die man wartet, für ein paar Sekunden. Den Rest der Zeit steht man da und weiß nichts. Spectix macht aus allen am Streckenrand eine gemeinsame Informationsquelle: Wer jemanden gesehen hat, meldet es, und alle sehen es in Echtzeit auf der Karte.
Worum geht es bei Spectix?
Spectix ist eine Live-Karte für Sportevents ohne feste Spielstätte, etwa Ultramarathon, Trailrunning, Radrennen, Rallyes, Paragliding oder Surfen. Zuschauer, Teilnehmer und perspektivisch auch Zeitmessungssysteme melden Positionen und Sichtungen. Sie erscheinen sofort auf einer interaktiven Streckenkarte.
Die Idee geht auf „Trackreporters“ zurück, ein Konzept für eine webbasierte Positionsmeldung auf vorgegebenen Strecken aus dem Jahr 2012. Spectix greift es 2026 mit heutiger Technik wieder auf.
Das Problem: wenig Information, viel Warten
- Zuschauer sehen Teilnehmende nur kurz an einem Punkt der Strecke, dazwischen gibt es keine Information.
- Veranstalter wissen, wo ihre Teilnehmenden sind, meist nur an Checkpoints und mit Verzögerung.
- Teilnehmende können Angehörigen ihren Fortschritt nicht einfach zeigen, wenn es kein Live-Tracking gibt.
Bestehende Lösungen setzen auf Zeitmessung mit Transpondern oder auf GPS-Tracker und Apps, mit denen sich Teilnehmende selbst verfolgen lassen. Die Zuschauer als aktive Datenquelle gibt es dort bisher nicht. Genau diese Lücke will Spectix schließen.
So funktioniert es
- Zuschauer melden Sichtungen: Startnummer eingeben, die eigene Position kommt per Browser-Standort dazu, ein Foto ist optional.
- Teilnehmende melden sich selbst: Ein Tipp auf „Ich bin hier“ genügt, die Startnummer ist bekannt.
- Zeitmessung als weitere Quelle: Checkpoint-Durchgänge aus Systemen wie RaceResult oder MYLAPS sollen künftig zusätzlich einfließen.
- Keine Anmeldung nötig: Gemeldet wird unter einem Pseudonym. Das hält die Hürde niedrig.
- Echte Zeit der Beobachtung: Maßgeblich ist der Moment der Aufnahme oder Beobachtung, nicht der Upload. Bei schlechtem Empfang an der Strecke werden Meldungen zwischengespeichert und später gesendet.
Die Streckenkarte
Der Veranstalter lädt die Strecke als GPX-Datei hoch und benennt Checkpoints und Abschnitte. Auf der Karte erscheinen Meldungen mit Foto als Vorschaubild und Meldungen ohne Foto als Ortssymbol. Ein Klick zeigt das Foto in voller Größe, die Startnummer, das Pseudonym und die Zeit sowie Verweise auf alle Meldungen an diesem Ort oder zu dieser Startnummer. Die Karte lässt sich nach Disziplin, Geschlecht, Altersklasse und Distanz filtern und in Websites von Veranstaltern einbetten. Die Koordinaten eines Checkpoints lassen sich mit einem Klick in der Navigations-App öffnen.
Höhenprofil und Zielzeit-Prognose
Das Höhenprofil entsteht aus den Höhendaten der GPX-Datei. Ein Abgleich mit einem Geländemodell erkennt Brücken und Tunnel, bei denen das Gelände etwas anderes zeigt als die Strecke, und schlägt sie dem Veranstalter zur Bestätigung vor. Auf dieser Grundlage soll für Läufe eine Zielzeit-Prognose entstehen, die Streckenprofil und tatsächliche Zwischenzeiten berücksichtigt. Weitere Sportarten kommen später.
Datenschutz und Moderation
Zuschauer melden unter Pseudonym und brauchen keine personenbezogenen Daten anzugeben. Die Teilnehmenden stimmen der Erfassung im Rahmen der Anmeldung zum Event zu, dafür sorgt der Veranstalter. An jedem Inhalt gibt es einen „Melden“-Button. Er benachrichtigt den Veranstalter, der Inhalte entfernen und Pseudonyme sperren kann.
Was später kommen kann
- Eine Web-App zum Installieren auf dem Startbildschirm, später eine eigene App, auch mit automatischem Tracking für Teilnehmende.
- Automatische Erkennung von Startnummern auf Fotos.
- Favoriten mit Benachrichtigung beim Checkpoint-Durchgang.
- Ein Rundenmodus für Stadionrunden und 24-Stunden-Läufe, in dem jede Runde als Ring einer Spirale erscheint.
- Empfehlungen für gute Zuschauerpunkte entlang der Strecke.
- Anbindung von Zeitmessungssystemen und Karten für weitere Sportarten.
Der Testfall
Als Prototyp soll der WHEW100-Ultramarathon in Wuppertal dienen. Er führt über 100 Kilometer auf ehemaligen Bahntrassen mit rund 420 Höhenmetern, Tunneln und Viadukten, auf derselben Strecke laufen mehrere Disziplinen von 5 Kilometern bis zur Staffel. Von früheren Ausgaben liegen Streckendaten, Zwischenzeiten und Teilnehmerlisten vor.
Aktueller Stand
Spectix befindet sich im Entwurf. Konzept und Recherche sind geschrieben, Code gibt es noch nicht. Als Nächstes steht die Wahl der Kartentechnik an, danach ein erster Prototyp.